Dorfplatz in Oevenum
© Föhr Tourismus GmbH / Moritz Kertzscher

Kultur & Tradition in Oevenum

Ländliche Dorfkultur hatte in Oevenum schon immer einen großen Stellenwert. So gibt es neben der Freiwilligen Feuerwehr bereits seit 1882 eine Jugendfeuerwehr – soweit bekannt, die älteste der Welt.

Alte Traditionen wurden in Oevenum erhalten oder von den jungen Oevenumern wiederbelebt. Dazu gehören

  • das Biikebrennen am 21. Februar
  • das Flaggen bei Konfirmationen
  • dat "Utscheten" von den Hualevjonken
  • der Kinderwagen auf dem Dach bei Geburten
  • die Kränze bei Hochzeiten (grüne, holzerne, silberne ...)
  • die Trachtengruppe
  • das Ringreiten
  • das Maibaumfest

Durchgeführt werden diese Aktionen von den Nachbarn oder den Hualavjonken (unverheirateten, konfirmierten, jungen Männern). Trachtengruppe, Laienspiel, Dorfmarkt und Maibaumfest gehören ebenso zum kulturellen Dorfleben. Verwurzelt in alten Traditionen, sind die Oevenumer selbstbewusst, offen und tolerant. So ist es wohl verständlich, daß sich hier neben Kunsthandwerkern auch Künstler wohlfühlen.

Hualevjonken


Hual was? Hinter diesem Zungenbrecher verbirgt sich eine seit über 100 Jahren gelebte Tradition, die ihre Ursprünge in den Föhrer Seefahrtsschulen hat. Ins Hochdeutsche übersetzt bedeutet „Hualevjonken“ nichts anderes als Halbdunkel. Und nun dämmert es allen nicht friesisch Sprechenden vielleicht bereits – im wahrsten Sinne des Wortes! Denn ursprünglich waren die Hualevjonken junge, unverheirateter (See-)Männer, die sich in der Abenddämmerung trafen und Neuigkeiten austauschten. Nicht selten heckten die ledigen Männer bei ihren Treffen so manchen Schabernack aus. Im Fokus stand dabei vor allem der Brauch des "Utschetens" (Ausschießens): Sollte sich ein lediger Mann mehrfach im Haus einer jungen Frau aufgehalten haben, so wurde das Haus umstellt und das Liebespaar mit drei Kannonenschlägen „ausgeschossen“. Das Haus wurde anschließend gestürmt und der junge Mann zur Rede gestellt. Dann hatte er die Wahl: Waren seine Absichten ernsthaft, musste er sich an Ort und Stelle mit der Frau verloben und die Hualevjonken danach zu einem Umtrunk einladen. Andernfalls wurde er von den anderen Männern in eine Karre gesetzt und zum Gespött aller durchs Dorf gefahren.  

Bis heute hat sich die Tradition der „Hualevjonken“ auf der Insel Föhr erhalten. Auch in Oevenum treffen sich die Hualevjonken noch regelmäßig zu geselligen Runden – wenn heutzutage auch mehr aus Jux und Tollerei.

Trachtengruppe


Gelebte Tradition können Sie in Oevenum vor allem bei den regelmäßigen Auftritten der Oevenum-Midlumer-Trachtengruppe erleben. Sie wurde 1981 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Oevenumer Jugendfeuerwehr gegründet. In ihrer prachtvollen Föhringer Tracht führen die Trachtentänzerinnen zu verschiedenen Anlässen ihre Tänze auf. Beispielsweise dem Maibaumfest im Friesental sowie weiteren Feierlichkeiten im Dorf sowie auf der gesamten Insel Föhr. Selbst an der bekannten Steubenparade in New York nahm die Gruppe bereits teil.

Jugendfeuerwehr


1882 gegründet zählt die Oevenumer Jugendfeuerwehr zu einer ihrer ersten in Europa. Erfreulicherweise mangelt es der Oevenumer Jugendwehr bis heute nicht an Nachwuchs. Im Gegensatz zur früher sind mittlerweile auch Mädchen herzlich willkommen. Gemeinsam werden Lehrgänge besucht, Übungen angesetzt, Wettkämpfe gegen andere Wehren ausgetragen und natürlich das alljährliche Stiftungsfest mit Umzug durch das Dorf gefeiert.

Das Protokoll der Gründungsversammlung der Freiwilligen Feuerwehr ist hier als PDF-Datei zu lesen: Protokoll Jugendfeuerwehr Oevenum. Für alle, die Probleme mit der Schreibweise haben, hier ein Auszug daraus:

Am 12. Febr. 1882 hatte die Jugend sich bei der Schule zusammen gefunden um eine freiwillige Jugendfeuerwehr zu gründen. Fast einstimmig entschloßen sich die Knaben der Wehr beizutreten, und es wurde sofort zur Wahl eines Kommandos geschritten, als Führer gingen daraus hervor. Simon Braren Hauptmann, Ocke W. Obersteiger, Georg Lorenzen Spritzenführer und Jürgen Wögens Schriftführer.

Als Mannschaften traten der Wehr bei:

Julius Tadsen, Heinrich Boyen, Markus Feddersen, Jan Sönnichsen, Nickels Ipsen, Paul Braren, John Andresen, Marius Andresen, Volkert Peters, Heinrich Jensen, Martin Petersen, Eduard Lorenzen, Georg J. Carstensen, Jürgen Jensen, Christian Franzen, Jens Gerengin, Jann M. Eschels, Julius Th. Petersen. Zusammen 22 Knaben.

Bald nach der Gründung traten der Wehr bei Martin Jensen u. Johannis Wögens.

Bald nach der Gründung der Wehr mit den ersten Übungen unter dem Kommando der freiwilligen Feuerwehr begonnen, die dann nachher mit eigener Kraft weiter geführt wurden. Als Uniform wurden Kittel und Leibriemen angeschafft, wozu bald die ausrangierten Mützen der fr. Feuerwehr kamen. Es wurde eine kleine Handspritze von Johann Petersen für 10 Mark gekauft, kleine Steigerleiter wurden von der Dorfschaft geschenkt..."

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