Föhr & Amrum bereiten sich auf Zeit nach Corona vor

Zuständigkeiten auf Amtsebene // Absage von Hafenfestival & Jahrmarkt 2020

Wyk auf Föhr, 24. April 2020 – Das Amt Föhr-Amrum sowie die lokalen Tourismusorganisationen Föhr Tourismus GmbH (FTG), Wyk auf Föhr Touristik GmbH (WTG) und Amrum Touristik AöR (AT) haben trotz Schließung der Inseln für den touristischen Verkehr jede Menge zu tun. Nicht alle Anfragen und Forderungen fallen jedoch in ihren Zuständigkeitsbereich. Im Hintergrund bereiten sie sich zudem gemeinsam mit der Inselärzteschaft auf das von der Landesregierung Schleswig-Holstein angekündigte dreistufige Modell zur Wiederaufnahme des Tourismus im Land und der damit verbundenen Öffnung der Inseln vor. Aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen hat die FTG heute offiziell das Hafenfestival am zweiten Augustwochenende abgesagt. Die Stadt Wyk auf Föhr wird eine Absage für den traditionellen Jahrmarkt Mitte Oktober erteilen.

An das Amt Föhr-Amrum sind in den vergangenen Tagen von verschiedenen Seiten Forderungen herangetragen worden, die geltenden Schutzmaßnahmen für das Gebiet der Inseln zu lockern oder eine zügige Reduktion oder Rücknahme der Beschränkungen durchzusetzen bzw. selbstständig herbeizuführen. “Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal darauf hinweisen, dass das Amt Föhr-Amrum weder zum Erlass noch zur Änderung oder Aufhebung Corona-bedingter Regelungen auf den Inseln befugt ist. Ebenso wenig liegt es in der Zuständigkeit des Amtes, auf politischer Ebene auf eine Lockerung oder Rücknahme der Einschränkungen hinzuwirken“, erklärt Amtsdirektor Christian Stemmer. Das Land Schleswig-Holstein und der Kreis Nordfriesland haben in den vergangenen Wochen mit verschiedenen rechtlichen Maßnahmen wie etwa dem Zutrittsverbot für die Inseln auf die Corona-Pandemie reagiert. Diese Maßnahmen wurden auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes ergriffen. Entsprechende Verordnungen und Allgemeinverfügungen dürfen nur vom Land oder von den Kreisen bzw. kreisfreien Städten erlassen werden. Dabei kommt dem Amt Föhr-Amrum die Aufgabe zu, in seiner Funktion als Ordnungsbehörde die Einhaltung der Bestimmungen zu überprüfen und gegebenenfalls durchzusetzen. So führt das Ordnungsamt beispielsweise an den Fährhäfen Kontrollen von Reisenden (Fußgängerverkehr) durch, die auf den Inseln ankommen. Dort wo es möglich ist, Stimmungen und Einblicke aus den verschiedenen Schichten der Bevölkerung von der Lage vor Ort an die übergeordneten behördlichen Institutionen widerzuspiegeln, damit sich beim Landkreis und beim Land ein Bild gemacht werden kann, erfolgt dies auf direktem Wege. Zum Beispiel in mehrmals wöchentlich stattfindenden Videokonferenzen mit der Kreisverwaltung.

“Natürlich ist das operative Tagesgeschäft durch das bestehende Zutrittsverbot deutlich reduziert. Auf der anderen Seite haben wir nun auch mehr Zeit für strategische Projekte, die ansonsten nur nebenbei laufen. Trotz ausbleibender Gäste auf der Insel, gibt es bei uns einiges zu tun: Wir informieren Gäste und Leistungsträger aus dem Homeoffice heraus weiterhin zum aktuellen Stand auf der Informationsseite foehr.de/corona, in regelmäßigen Rundmails sowie in sozialen Medien. Darüber hinaus stehen zukünftige Kampagnen sowie das Urlaubsmagazin 2021 auf unserer Agenda“, erklärt FTG-Geschäftsführer Gemeinhardt. Ebenfalls weiterhin im Dienst sind die FTG-Mitarbeiter im Gäste- und Quartierservice. Sie arbeiten trotz Schließung sämtlicher Tourist-Informationen sowie der Kurkasse im Schichtsystem in der Feldstraße und stehen per Telefon und E-Mail mit Rat und Tat zur Verfügung. “Wir können nur schwer abschätzen, wie sich die nächsten Monate entwickeln. Zwischenzeitlich versuchen wir mit kleinen Aktionen wie unserem Kreativwettbewerb »Sehnsucht nach Föhr« oder den virtuellen Rundgängen für unsere Gäste ein Stückchen Föhr nach Hause zu bringen“, so Gemeinhardt und fügt hinzu: “Schweren Herzens müssen wir das für den 06.–08. August 2020 geplante Hafenfestival in Wyk auf Föhr absagen. Je nachdem wie sich Bund und Länder in ihrer nächsten Gesprächsrunde am 30. April 2020 entscheiden, sind weitere Veranstaltungen in den Sommermonaten betroffen. Das Wyker Straßen- und Kleinkunstfestival haben wir vorsorglich um eine Woche auf den 04.–06. September 2020 verschoben.“

Ähnlich wie sein Amtskollege in München hat auch der Wyker Bürgermeister in dieser Woche eine schwere Entscheidung treffen müssen. “Der traditionelle Jahrmarkt als jährliches Highlight zum Saisonabschluss wird, wie auch das Münchener Oktoberfest, in diesem Jahr leider ausfallen. Ein unumgänglicher Schritt, den wir schon allein aus medizinisch-prophylaktischen Gründen für unsere Insulaner und Gäste gehen müssen“, erklärt Uli Hess.

Das Verbot von Großveranstaltungen betrifft die Nachbarinsel Amrum nur bedingt. “Unsererseits sind derartige Veranstaltungen ohnehin zurückgestellt. Wir erarbeiten ähnlich wie die Föhrer Kollegen ein Veranstaltungsprogramm, das ohne lange Vorlaufzeiten auf die Beine gestellt werden kann“, so AT-Vorstand Frank Timpe. Auch auf Amrum bereitet man sich laut Timpe im Hintergrund auf eine mögliche Öffnung der Insel vor: “Wir haben unsere Gäste und Leistungsträger kontinuierlich über klassische Newsletter über die aktuelle Lage informiert und halten den Plan zur stufenweisen Lockerung und Rückführung für sinnvoll und in der angekündigten Reihenfolge auch zielführend. Wichtig für uns ist nun allerdings eine Zeitschiene, um Planungssicherheit zu haben. Auch fordern wir die Auflösung der nachrangigen Betrachtung der Inseln und Halligen gegenüber dem Festland“, so Timpe.

Auch WTG-Geschäftsführer Kurt Weil nutzt die vom Land angeordnete Zwangsschließung des AQUAFÖHRs für Unterhaltungsmaßnahmen zur Bestandssicherung von Wellenbad, Fitnesscenter, Sauna sowie Kur- und Thalassozentrum. “Wir halten uns strikt an die vom Land und Kreis vorgegebenen Anordnungen und Maßnahmen. Solange es kein grünes Licht gibt, bleibt das AQUAFÖHR weiterhin geschlossen“, so Weil.

Der Städtische Hafenbetrieb hat vor Ostern bereits rund 150 Strandkörbe am Wyker Strand verteilt, teilweise kostenlos geöffnet oder als Saisonkorb. “Schließlich haben wir auch eine Reihe von Einheimischen, die sich für die Saison einen Strandkorb mieten. Je nachdem wie sich das Zeitfenster des angekündigten dreistufigen Modells der Landesregierung gestaltet, entscheiden wir wie es nach dem 03. Mai 2020 mit der Strandkorbvermietung weitergeht. Möglicherweise werden wir nach und nach mehr Körbe rausfahren und mit weniger Strandwärterstationen beginnen“, so Werkleiter Uli Koch. Ebenfalls offen ist noch die Bewachung der Föhrer Strände durch die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Hier warten Wyk, Nieblum und Utersum die Entscheidung der Landesregierung in der kommende Woche ab.

Aktuell gibt es auf Föhr und Amrum keinen nachgewiesenen Coronafall (mehr). Nach Einschätzung der Ärzteschaft auf Föhr und Amrum wird sich dies mit Wiederöffnung der Inseln mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ändern. “Auf Föhr gibt es mehr als 2.300 Zweitwohnungsbesitzer. Selbst wenn nicht alle belegt werden, können doch schnell bis zu 5.000 zusätzliche Menschen auf Föhr zusammenkommen. Auf Amrum könnten sich die auf der Insel anwesenden Personen sogar fast verdoppeln. Umso wichtiger ist es, bereits jetzt Strategien festzulegen wie ein am neuen Coronavirus erkrankter Patient von den Inseln evakuiert werden kann. Zu vermeiden ist, dass der für uns üblicherweise zuständige Hubschrauber wegen Desinfektionsarbeiten mehrere Stunden nicht für andere Patienten z. B. nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder Unfall zur Verfügung steht“, erklärt die Wyker Ärztin Janet Rossmann, stellvertretend für die Inselärzte auf Föhr und Amrum. 

Für Föhr mit seinen 11 Hausärzten wäre die Besetzung einer zusätzlichen Teststelle möglich. Auf Amrum hingegen gibt es lediglich 2,5 Arztstellen, die neben ihrer üblichen Praxistätigkeit ohnehin schon 365 Tage im Jahr den kassenärztlichen Notdienst und den Rettungswagen besetzen. Die Inselärzte geben zu bedenken, dass einzelne Kollegen selbst zur Risikogruppe für schwere Verläufe gehören können und daher nicht vorrangig für Testungen von Patienten auf das neue Coronavirus eingesetzt werden sollten. Insbesondere auf Amrum wäre bei zunehmender Menge an Verdachtsfällen auf Coronavirus-Infektionen das Limit der ärztlichen Versorgungsmöglichkeiten rasch überschritten. “Zumindest im Bereich 'Mund-Nase-Schutz‘ wird die Lage entspannter. Einen herzlichen Dank möchte wir dafür an die fleißigen Näherinnen des Landfrauenvereins richten sowie an alle weiteren Insulanerinnen und Insulaner, die bereits Mund-Nasen-Schutz in Serie produzieren und damit eine wichtige Voraussetzung schaffen, die Inselbevölkerung vor einer Virenausbreitung zu schützen. Bitte nähen Sie weiter – vor allem mit bei hohen Temperaturen (mind. 60°) waschbaren Materialien. Um die Fallzahlen auf den Inseln möglichst gering zu halten, sind noch zwei weitere Maßnahmen wichtig: Bitte halten Sie nach wie vor 1,5 bis 2 m Abstand voneinander, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden und achten Sie wegen der Möglichkeit von sogenannten Schmierinfektionen auf gute Händehygiene. Gründliches Händewaschen mit Seife hilft wirklich, da das Virus außen mit einer Hülle aus Fett (Doppellipidmembran) umgeben ist, die durch Seife zerstört wird. Wenn Sie Fragen haben, zögern Sie bitte nicht, Ihre Hausärzte anzusprechen“, gibt Janet Rossmann mit auf den Weg.

Unter Federführung des Tourismusverbands Schleswig-Holstein haben Amt, Ärzteschaft, FTG und AT einen Entwurf zur Beschreibung der Phasen zur Wiederaufnahme des Tourismus erarbeitet. Das Positionierungspapier soll eine erste Basis für Diskussionen mit Tourismusakteuren und Politik bilden. “Damit wollen wir uns gemeinsam mit den anderen Urlaubsdestinationen im Land einem Modell annähern, das hilft, in Schleswig-Holstein einen möglichst reibungslosen Start unter einer möglichst hohen Risikominimierung vorzubereiten“, erklären Timpe und Gemeinhardt. Diskussionswürdig erscheint ihnen noch die Situation um gastronomische Betriebe, die in den jüngsten Entscheidungen kaum Berücksichtigung finden.

“Es erwarten uns in den nächsten Tagen sicherlich noch viele weitere Runden im Krisenstab, in denen wir gemeinsam mit der Ärzteschaft sowie den Tourismusorganisationen versuchen uns möglichst gut vorzubereiten. Wir haben für alle Beteiligten ein offenes Ohr und freuen uns über Unterstützung durch weitere Ideen und Vorschläge. Schimpfen aufeinander nützt uns allen wenig. Nur gemeinsam bekommen wir eine gute Lösung für unsere Inseln hin. Habt bitte alle noch ein wenig Geduld. Das Wetter ist zum Glück schön. Genießt die tollen Tage, wir arbeiten weiter und lassen wieder von uns hören“, kündigt Amtsvorsteherin Heidi Braun an.

Aktuelle Informationen & nützliche Links:
Insel Föhr: www.foehr.de/corona
Amrum: www.amrum.de
Amt Föhr-Amrum: www.amtfa.de
Kreis Nordfriesland: www.nordfriesland.de
Landesregierung Schleswig-Holstein: www.schleswig-holstein.de

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