Einwohnerbefragung Föhr: erste Zwischenergebnisse verfügbar

Wyk auf Föhr, 15. Oktober 2021 – Gut zwei Monate nach Abschluss der Einwohnerbefragung zur Tourismusakzeptanz und sozialen Nachhaltigkeit auf Föhr liegen erste Zwischenergebnisse der studentischen Masterarbeit vor. Die Hauptaussage: die meisten Insulaner*innen leben sehr gern auf Föhr, rund die Hälfte von ihnen bewertet jedoch die Auswirkungen des Tourismus, besonders die gestiegenen Touristenzahlen, als eher negativ. Trotzdem wird dem Tourismus auf Föhr auch für die Zukunft eine große Bedeutung zugeschrieben. An der Umfrage hatten sich rund 1.700 Föhrerinnen und Föhrer beteiligt.

Wie viel Tourismus verträgt die Insel Föhr? Welche Vor- und Nachteile bringt der Tourismus mit sich? Wie steht die Inselbevölkerung zum Thema Tourismus? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der Umfrage, die eine Master-Studentin in Zusammenarbeit mit der Föhr Tourismus GmbH (FTG) im Sommer durchgeführt hat. Zwar ist die wissenschaftliche Arbeit noch nicht ganz abgeschlossen, doch erste Zwischenergebnisse liegen nun vor:

Der Großteil der Föhrer Bevölkerung schätzt den persönlichen Lebensraum auf Föhr positiv ein und spricht dem Tourismus auf der Insel eine große Bedeutung zu. Gefragt nach den Auswirkungen des Tourismus, zeigt sich jedoch, dass knapp die Hälfte der Befragten (47,9 %) diese als eher bis überwiegend negativ bewertet. Positive Auswirkungen des Tourismus sehen 37,5 % der Befragten. Hierzu zählen vor allem die Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen sowie die Verbesserung der Nahversorgung und des Freizeitangebots.

Dennoch wünscht sich ein Großteil der Befragten einen Rückgang der Touristenzahlen oder zumindest keine weitere Steigerung. Die größten Handlungsbedarfe sehen die Befragten vor allem im Hinblick auf bezahlbaren Wohnraum sowie den Auto- und Fahrradverkehr. Hier geht es insbesondere um den nötigen Ausbau der Infrastruktur für den Radverkehr und eine Verbesserung des ÖPNV. Außerdem soll eine „Versyltung“ vermieden und das gastronomische Angebot erweitert werden.

Urlaubsort und Lebensraum gemeinsam betrachten

„Tourismus ist auf Föhr und auch andernorts immer stärker mit dem Lebensraum verschränkt“, erläutert Prof. Dr. Harald Pechlaner, Inhaber des Lehrstuhl Tourismus und Leiter des Zentrums für Entrepreneurship an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, wo die Masterarbeit betreut wird. „Da ist es ganz klar, dass sich in einer so beliebten Destination wie Föhr mit der Zeit auch Widerstand gegen den Tourismus regt.“ Wichtig sei es nun, sich gegenseitig zuzuhören und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass mehr als drei Viertel – ganze 77 % der Befragten – dem Tourismus auf Föhr auch in Zukunft eine große Bedeutung zusprechen. Verbunden mit der positiven Einstellung, die die Föhrerinnen und Föhrer zu ihrer Insel haben, sei das eine sehr gute Basis für Veränderungen hin zu einem anderen, zu einem sanfteren Tourismus, der die Bedürfnisse aller Menschen auf Föhr im Blick behalte. „Es wird sich nicht alles von heute auf morgen verändern lassen. Mit der Stelle des Nachhaltigkeitsbeauftragten hat die FTG aber bereits erste wichtige Schritte für die soziale Nachhaltigkeit auf Föhr gemacht“, so der Tourismusexperte.

Hohe Beteiligung an der Umfrage

Sowohl die FTG als auch die Studentin zeigen sich sehr zufrieden mit der hohen Beteiligung. Insgesamt haben rund 1.700 Personen an der Umfrage teilgenommen. Das entspricht fast einem Viertel der erwachsenen Bevölkerung. Ähnliche Studien wurden mit ähnlichen Fragen auch in anderen touristisch geprägten Orten vorgenommen. Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern befragte im Sommer 2021 beispielsweise 1.300 Personen zu denselben Themen, in Kiel wurden 2018 rund 600 Personen in einer ausgewählten Stichprobe befragt, in Sankt-Peter-Ording nahmen 2020 knapp 1.300 Personen an einer vergleichbaren Studie teil. „Die hohe Beteiligung und die Schreibfreudigkeit bei den offenen Fragen zeigen, dass es einen hohen Mitteilungsbedarf gibt“, sagt Jochen Gemeinhardt, FTG-Geschäftsführer. „Viele haben auch konkrete Vorschläge für bestimmte Bereiche gemacht. Das sind wertvolle Rückmeldungen und Ideen, auch wenn sie nicht alle ohne Weiteres umsetzbar sind.“

Ergebnisse sind öffentlich einsehbar

Die Ergebnisse wurden dem Tourismuszweckverband zur Verfügung gestellt. Die FTG veröffentlicht unter foehr.de/einwohnerbefragung die Präsentation der Zwischenergebnisse sowie eine Liste mit den offenen Antworten, Kommentaren und Anregungen aus der Umfrage. „Wir haben die Antworten inhaltlich ungekürzt und eins zu eins übernommen – inklusive individueller Rechtschreibung. Lediglich die Namen von Individuen und verbale Anfeindungen gegen namentlich genannte oder leicht identifizierbare Dritte wurden geschwärzt“, erläutert Kai Becker, Nachhaltigkeitsbeauftragter der FTG, der die Studie auf FTG-Seite begleitete. „Wir haben angekündigt, transparent mit den Ergebnissen umzugehen – nun kann jeder und jede die eigenen offenen Antworten in der Liste wiederfinden.“

Wie geht es weiter?

Die Umfrage wird auch in der nächsten Sitzung des Tourismus-Zweckverbandes im Dezember eine Rolle spielen. Sie bekräftigt, was bereits in vergangenen Sitzungen vonseiten der FTG thematisiert wurde: Altbewährte Maßstäbe zur Messung von touristischem Erfolg müssen hinterfragt und manche festgefahrenen Konzepte überdacht werden. „Das wichtigste ist nun, dass wir miteinander im Gespräch bleiben“, so Gemeinhardt. Corona habe den direkten Dialog zwischen der FTG als Tourismusorganisation, der Politik und der Bevölkerung zum Teil erschwert. „Aber wenn wir etwas bewegen wollen, müssen wir konstruktiv diskutieren, wie wir bestimmte Dinge angehen und wie wir uns künftig positionieren wollen“, so Gemeinhardt weiter. „Wir laden alle Föhrerinnen und Föhrer dazu ein, sich aktiv und direkt in den Dialog einzubringen. Die gewählten Stadt- und Gemeindevertreterinnen und -vertreter, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sowie wir als FTG sind für vielerlei Fragen rund um den Tourismus und Föhr als Lebensraum Ansprechpartner und freuen uns auf einen offenen Austausch zur gemeinsamen Gestaltung der Zukunft von Föhr.“

 

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