Friesische Architektur zum Anfassen
Neben der eigenen Mundart gehört der friesische Baustil auf der Insel zum Alltagsbild. Dies wird bei einem Spaziergang durch die insgesamt elf Friesendörfer deutlich, die, über die ganze Insel verstreut, mit urigen Reetdachhäusern und bunt blühenden Vorgärten echte friesische Gemütlichkeit vermitteln.
Als das schönste aller Friesendörfer auf Föhr gilt der Ort Nieblum im Süden der grünen Insel – und das nicht nur aufgrund des mächtigen Friesendoms „St. Johannis“, der seit dem 13. Jahrhundert als größte Kirche der Insel die umliegenden Häuser weit überragt. Stolz sind auch die rund 600 Bewohner Nieblums – auf ihr malerisches Ortsbild. Mit den alten Laubbäumen, den liebevoll gepflegten Friesenhäusern und den aufwändig angelegten Straßen mit Katzenkopf- oder Meerkieselpflasterung scheint hier die große Blütezeit der Insel im 17. und 18. Jahrhundert auf ewig erhalten geblieben zu sein.
Seefahrer haben auch den verträumten Ort Süderende ganz im Westen der Insel über Generationen hinweg geprägt, in dem bis heute beeindruckende Ensembles schmuckvoller Friesenhäuser bestaunt werden können. Mit roten Backsteinmauern, reetgedeckten Dächern und den typischen Sprossenfenstern gelten diese Häuser als Inbegriff friesischer Baukunst, wie sie auf Föhr, den angrenzenden Inseln und den Halligen seit Jahrhunderten allgegenwärtig ist.
Typisch für diese oft nur kleinen "Uthlandfriesischen Häuser" ist der spitze Giebel über der Eingangstür, der ursprünglich bei einem Dachbrand verhindern sollte, dass brennendes Reet vor die Eingangstür fällt und den Bewohnern so den Weg ins Freie versperrt. Eine wohl durchdachte Lösung, die vor allem bei den zwei verheerenden Großbränden in Wyk 1857 und 1868 vielen Menschen in letzter Sekunde das Leben rettete. Das älteste erhaltene Friesenhaus der Insel, das so genannte "Haus Olesen", steht heute in der Inselhauptstadt Wyk. Ursprünglich im Jahr 1617 in Alkersum, einem der ältesten Dörfer in der Mitte der Insel, gebaut, wurde es bereits 1927 abgetragen und originalgetreu auf des Gelände des Friesen-Museums erneut errichtet.




