Bereits zwischen dem 7. und 8. Jahrhundert setzte sich Friesisch auf dem Gebiet der heutigen Insel Föhr als Umgangssprache durch. Von den insgesamt rund 10.000 Menschen, die diese nordwestgermanische Sprache in Deutschland heute noch beherrschen, lebt rund ein Viertel auf Föhr. Die übrigen Friesischsprecher verteilen sich auf die Nachbarinseln Amrum und Sylt, auf Helgoland und das nordfriesische Festland. Deshalb wird Friesisch in der gesamten Region auch als „Nordfriesisch“ bezeichnet. Das Nordfriesische wiederum unterteilt sich in insgesamt neun, teils stark voneinander abweichende Insel- und Küstendialekte. So hat auch Föhr seine eigene friesische Mundart, das so genannte „Fering“ oder auch „Föhrer Friesisch“, das sich ganz direkt von dem Wort „Feer“ herleiten lässt – so wird die grüne Insel nämlich auf Friesisch genannt.
Die Föhrer sind sehr um den Erhalt ihrer alten Volkssprache bemüht, deshalb versteht es sich von selbst, dass Friesisch im Alltag gesprochen wird. Aber nicht nur das, denn neben Friesisch sprechen die Insulaner auch Platt- und Hochdeutsch. Deshalb kann es Besuchern passieren, dass sie erstaunliche Unterhaltungen mitbekommen. Denn der Föhrer hat die Angewohnheit, alle drei Sprachen im Gespräch miteinander zu vermischen.
Vor allem der Westen der Insel ist eine der wenigen verbliebenen Friesisch-Hochburgen. Hier lebt die Sprache nicht nur im Alltag, sondern wird auch innerhalb der ansässigen Familien ganz bewusst an die jüngeren Generationen weitergegeben. Wie wichtig dieser Austausch ist, zeigt das Beispiel Ostfriesland. Auch hier wurde über Jahrhunderte hinweg Friesisch, genauer gesagt Ostfriesisch, gesprochen. Weil nachfolgende Generationen jedoch zunehmend weniger Interesse an der Mundart zeigten, gilt die ostfriesische Sprache heute als unwiederbringlich ausgestorben. Damit Nordfriesisch auf Föhr nicht auch dem Sprachtod zum Opfer fällt, wird seit einigen Jahren auf der Insel Friesisch in der Schule und im Kindergarten unterrichtet. So weiß auch in 100 Jahren noch jeder Föhrer, dass die Friesen ihr Schiff „skap“ nennen, nicht Häuser sondern „hüsing“ bauen oder einen Seestern meinen, wenn sie das Wort „fiiwfut“ benutzen.



